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BMBF-Projekt "Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130–1250" zum Hildesheimer Dom und St. Michael

Verbundprojekt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Ausschreibung „Sprache der Objekte“

 

Der Hildesheimer Dom und die Klosterkirche St. Michael sind herausragende Zentren mittelalterlicher Kultur und Geschichte. Mit ihrer vorhandenen oder erschließbaren Ausstattung zählen sie zu den wenigen erhaltenen exemplarischen Gesamtkunstwerken des 10.–13. Jahrhunderts überhaupt, die die Aufmerksamkeit der kunsthistorischen wie der historischen Fachwelt schon seit langem auf sich gezogen haben. Es sind hochrangige Kunstwerke aller Gattungen überliefert. Das Milieu, das die Entstehung dieser Stücke begünstigte, war geprägt von geistlichen und weltlichen Eliten des Bistums und der Stadt. Diese Eliten sind in einer großen Zahl unterschiedlicher Schriftquellen greifbar. Auf der Grundlage dieser ungewöhnlichen, in der Breite der dinglichen wie schriftlichen Überlieferung des 12. und 13. Jahrhunderts einmaligen Kombination von verschiedensten Quellenarten versucht das Verbundvorhaben mehrerer Fachdisziplinen auf einer breiten, multidisziplinären Basis unsere Kenntnisse über die Auftraggeber und Konzeptoren der Hildesheimer Kunstwerke auf eine neue Grundlage zu stellen. Hierbei werden nicht nur Kenntnisse der benachbarten geisteswissenschaftlichen Disziplinen einbezogen, sondern auch aus den Naturwissenschaften. Resultate des Forschungsprojektes sollen inhaltlich und methodisch für ähnliche Überlieferungssituationen mittelalterlicher Kunst und Kultur anschlussfähig sein.

Laufzeit: März 2015 bis Februar 2018

 

Beteiligte Institutionen:
Dommuseum Hildesheim (2 Teilprojekte)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (2 Teilprojekte)
Universität Potsdam (2 Teilprojekte)
Universität Osnabrück (3 Teilprojekte)
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (2 Teilprojekte)

Teilprojekte am KHI:

Teilprojekt 2: Tradition und Innovation in der Monumentalmalerei des Domes vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildverständnis und Bildgebrauch bei den Hildesheimer Klerikereliten des Hochmittelalters

Bearbeitung: Dr. Esther-Luisa Schuster

Das Teilprojekt untersucht erstmals alle Zeugnisse der monumentalen Innenraumgestaltung des Domes. Sowohl die ehemalige Ausmalung der Westempore sowie eines Tympanons der Seitenschiffemporen als auch die inkrustierten Fußböden in Vierung und Apsis überliefern ungewöhnlich dicht das durch die frühscholastische Theologie angeregte Ordnungsverständnis der Hildesheimer Domherren. Komplex geordnete Ikonographien und Bildstrukturen verdeutlichen das allgemeine Interesse der Eliten am Visuellen einerseits und den Versuch, ihre theologische Welt in Bildern (an) zu ordnen andererseits. Die Objekte werden im Teilprojekt somit in ihrer medialen Bedeutung als „Ordnungshelfer“ analysiert. Nicht nur ihre endgültige Erscheinung ist von Interesse, sondern auch die Ideen und Strukturen, die zu ihrer Anordnung geführt haben. Hierbei werden auch die Ergebnisse der historischen Projekte zu Domschule und den städtischen Eliten mit einbezogen. Eine sehr enge Verzahnung ergibt sich mit Teilprojekt 3 zur Bilderdecke von St. Michael, die als Fortführung der im Dom erprobten Strukturen und Prinzipien betrachtet werden kann.

Dr. Esther-Luisa Schuster | E-Mail | Tel.: 0228-73-6837

 

Studentische Hilfskraft:
Johanna Beutner B.A.

 

Teilprojekt 3: Tradition und Innovation in der Monumentalmalerei von St. Michael in Hildesheim vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildverständnis und Bildgebrauch bei den Hildesheimer Klerikereliten des Hochmittelalters

Bearbeitung: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck

Das Teilprojekt untersucht die berühmte Holzdecke von St. Michael, mit der die hochmittelalterlichen Arbeiten, die nach der Heiligsprechung des hier begrabenen Stifters, Bischof Bernward (amtierte 993-1022), nötig wurden, im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts zu einem ersten Ende kamen. Sie trägt die größte Darstellung der Wurzel Jesse, einem neuen, erst im Hochmittelalter auftretenden Thema, das die gesamte Heilsgeschichte in einem vielteiligen Schemabild zusammenfasst. Sie wird vor dem Hintergrund des sich im 12. und 13. Jahrhundert rasch entwickelnden Bildverständnis bzw. der Bildpraxis der Hildesheimer Klerikereliten untersucht, bei dem diese Schemabilder aus den Schulbetrieb auch in den liturgischen Raum wechseln konnten, der im konkreten Fall von St. Michael stark mit in die Analyse der Holzdecke mit einbezogen wird. Hintergrund ist der mit einem Interesse am Visuellen einhergehende, ordnende scholastische Zugriff auf theologisch geformte Wissensbestände, die in großen Bildsummen wie der Holzdecke arrangiert wurden. Eine sehr enge Verzahnung ergibt sich mit Teilprojekt 2 zur Monumentalmalerei im Dom, da hier im 12. Jahrhundert Strukturen und Prinzipien sowie in der Kapelle im Westbau auch die monumentale Darstellung der Wurzel Jesse als Deckengestaltung vorbereitet wurden.

Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck | E-Mail | Tel.: 0228-73-4781

 

Weitere Informationen auf der Projekthomepage.

 

Termine und Veranstaltungen

Aktuelles:

  • 19.-21.5.2017, Tagung im ZI München
  • September 2017, Sektion auf dem IV. Forum Kunst des Mittelalters in Berlin und Brandenburg | Konferenz-Website

 

Vergangenes:

  • März 2017, Panel 23 auf dem Symposium des Mediävistenverbandes | Konferenz-Website
  • Februar 2017, Kolloquium in Hildesheim zum Welandus-Reliquiar
  • 2.-3.12.2016, Studientagung „(An)Ordnung und Schematisierung in der Kunst des Mittelalters“, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn | Konferenz-Website, Programm & Plakat
  • 22.10.2016, Studientag „Typen mittelalterlicher Reliquiare zwischen Innovation und Tradition“, Christian-Albrechts-Universität Kiel | Plakat
  • 19.9.2016, Sektion Kunstgeschichte „Objekte und Objekthaftigkeit in der Hildesheimer Kunst des 12. und 13. Jahrhunderts“, Generalversammlung der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften, Hildesheim | Programm
  • 17.-18.6.2016, Kolloquium „Drachenlandung – Ein neu erworbenes Aquamanile des 12. Jahrhunderts im Dommuseum Hildesheim“, Dommuseum Hildesheim | Programm

 

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