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Teilprojekt des SFB 1167 „Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei“

Bonner SFB 1167 „Macht und Herrschaft - Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive“

Teilprojekt „Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei“

 

Das kunsthistorische Teilprojekt wendet sich der Thematisierung von Herrschaft in der profanen Wandmalerei des Mittelalters zu. Es untersucht hierzu Festausmalungen, die auf einen reisenden König bezogen waren bzw. den Zeitgenossen als beziehbar plausibel gemacht werden konnten, sowie die (von einer konkreten Reise unabhängigen) Darstellungen des Herrschers als Gast. Der Fokus liegt daher nicht auf einer vermeintlichen „Hofpropaganda“, sondern auf den eigentlichen Besitzern und Nutzern der ausgemalten Räume, in denen man in der Regel die Auftraggeber der Malereien sehen darf. | Projekthomepage

 

Projektleitung:

Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck | E-Mail | Tel.: 0228-73-4781

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

Steffen Kremer M.A. | E-Mail | Tel.: 0228-73-5989

Svenja Trübenbach M.A. | E-Mail | Tel.: 0228-73-5989

 

Wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte:
Laura Cohen M.A.
Stefan Einhaus M.A.
Sophia von Kohout B.A.
Isabelle Löchner M.A.

 

The King as Guest – House and Herrschaft in Secular Wall Painting

The sub-project is devoted to the subject of Herrschaft in medieval secular wall painting. It examines festive scenes that are related to a travelling monarch or could plausibly be construed as such, as well as the representations of the lord as guest (independent of any actual journey). The focus is thus, not on a supposed 'court propaganda', but rather on the actual lords and users of the rooms depicted, who can generally be identified with the commissioners of the paintings. | Project website

 

Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei

Das Teilprojekt des seit dem 1. Juli begonnenen Bonner SFB 1167 „Macht und Herrschaft - Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive“ (vgl. Projekthomepage) wendet sich der Thematisierung von Herrschaft in der profanen Wandmalerei des Mittelalters zu. Es untersucht hierzu Festausmalungen, die auf einen reisenden König bezogen waren bzw. den Zeitgenossen als beziehbar plausibel gemacht werden konnten, sowie die (von einer konkreten Reise unabhängigen) Darstellungen des Herrschers als Gast. Der Fokus liegt daher nicht auf einer vermeintlichen „Hofpropaganda“, wie sie von der Forschung gerade im Umfeld großer Herrscherpersönlichkeiten oft nahezu automatisch unterstellt wurde, sondern auf den eigentlichen Besitzern und Nutzern der ausgemalten Räume, in denen man in der Regel die Auftraggeber der Malereien sehen darf. Es sind daher vorrangig ihre Strategien, Anliegen sowie Wünsche und auch Zwänge im Bereich der Repräsentation ihres Status und ihres Selbstverständnisses, deren Niederschlag in den Bildern zu betrachten sein wird. Die Stoßrichtung der Bilderzyklen konnte darin bestehen, Normen idealer Herrschaft an den König heranzutragen bzw. sich für den König und sein Umfeld zu positionieren. Mehr noch dienten die Wandmalereien aber dazu, sich auf Dauer mithilfe der im spezifischen Rahmen der Gastfreundschaft inszenierten Königsnähe, der besonderen Stellung des eigenen Hauses, dem Wissen um seine rechte Führung und Ordnung sowie um Ordnung selbst zu profilieren und im eigenen Sozialgefüge zu verorten. Das Teilprojekt fokussiert hiermit auf die Modulierung von Vorstellungen von Herrschaft bei ihrer Adaption in den Bereich der Monumentalmalerei, die auf den Herrscher und sein Umfeld, vor allem aber auf die Anderen im eigenen Sozialgefüge zielt, wofür insbesondere Gastfreundschaft und Fest den Rahmen boten.

Auch weil sich diese Malereien zumeist in reich ausgestatteten und dementsprechend für eine Nutzung im Fest und der Gastfreundschaft hin ausgerichteten Räumen befinden, sind sie in die – im deutschsprachigen Bereich als „Hausehre“ bezeichnete – Gastfreundschaft des jeweiligen Hauses eingebettet. Diese vorbildliche Gastfreundschaft erweist nun den Besitzer des ausgemalten Raums selbst als herrschaftsfähig, denn nur ein gut geführtes Haus kann gastfreundlich sein, was für alle Eliten bis hin zum König gilt. Und es sind gerade die mit heraldischen und ikonischen Darstellungen des Herrschers (und fallweise auch der Herrscherin) in den Ausmalungen markierten Festräume eines Hauses, sei es auf einer Burg oder in einem oberschichtigen Stadthaus, die diese „Hausehre“ repräsentierten und mit einer Vielzahl anderer Themenbereiche, vom höfischen Epos bis hin zum Kalenderzyklus, räumlich wie inhaltlich verbinden. Diese Vorstellungen von „Hausehre“ wurden auch auf kirchliche Institutionen (Gästehäuser, Pfarrhäuser) und städtische Gemeinschaftshäuser (Rathäuser und ihre Festsäle oder auch eigenständige Tanzhäuser) übertragen. Dementsprechend kann in dem Teilprojekt ein breites Spektrum der führenden Individuen und Gruppierungen der mittelalterlichen Gesellschaft auf seine mit der Gastfreundschaft und dem Haus verbundenen Vorstellungen von idealer Herrschaft, herrschaftsbezogenem Ordnungswissen und eigener Teilhabe am Herrschaftsnetzwerk befragt werden. Die idealisierte Darstellung des Herrschers und seines Hofes wird zusammen mit der hausbezogenen Thematik der Wandmalereien zur Projektionsfläche der Auftraggeber und damit durchlässig für ihren Selbstentwurf innerhalb ihrer herrschaftsbezogenen Ordnungsvorstellungen. Diese Selbstverordnung wiederum ist mit den im geplanten SFB erarbeiteten Vorstellungsmodellen zu Macht und Herrschaft und ihrem Wandel abzugleichen.

Insgesamt wird mit den profanen Wandmalereien dieser Art somit die Teilhabe an und Modulierung von Vorstellungen von Macht und Herrschaft im Netzwerk zwischen Zentrum und Peripherie in einer singulären Quellengruppe eigener Qualität, Entwicklung (etwa im Bereich der Heraldik oder der Erzählräume) und Anschaulichkeit in einer Fülle verschiedener Formen auch an Orten innerhalb der Gesellschaft greifbar, an denen sie sonst durch andere Quellen kaum zu fassen ist. Das Teilprojekt wird die hierfür relevanten Objekte erstmals zusammenführen, aufbereiten und in den Diskurs über Macht und Herrschaft im geplanten SFB einspeisen, um im Gegenzug die dort erarbeiteten Vorstellungen und Modelle, Grundstrukturen und Begrifflichkeiten der Phänomene Macht und Herrschaft für die eigene Analyse einzusetzen.

 

Projektrelevante Publikationen des Teilprojektleiters

  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2005), Zahm und wild: Thematische Spannungsverhältnisse und ihre (topographische) Organisation: Die Wandmalereien des Jagdzimmers von Schloß Moos in Eppan, in: Eckart Conrad LUTZ, Johanna THALI, René WETZEL (Hg.), Literatur und Wandmalerei II. Konventionalität und Konversation, Tübingen, S. 479–519, Abb. 107–117, Farbtaf. XIV–XV.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2007), "Hûsêre" and the "Topography of Contrasts" in 15th Century Mural Paintings from Tyrol and Trentino, in: Luís Urbano AFONSO, Vítor SERRÃO (Hg.), Out of the Stream: Studies in Medieval and Renaissance Mural Painting, Cambridge, S. 22–41.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2008), Bilder für Friedrich II.? Die Wandmalerei der Torre Abbaziale von San Zeno in Verona, in: Knut GÖRICH, Jan KEUPP, Theo BROEKMANN (Hg.), Herrschaftsräume, Herrschaftspraxis und Kommunikation zur Zeit Kaiser Friedrichs II., München, S. 207–227.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2009), Der König als Gast. Formen der Vergegenwärtigung und Indienstnahme königlicher Präsenz in der profanen Wandmalerei der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in: Stefanie RÜTHER (Hg.), Integration und Konkurrenz. Symbolische Kommunikation in der spätmittelalterlichen Stadt, Münster, S. 111–129, Abb. 1–13.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2012), Secular Arts – Its Order and Importance, in: Colum HOURIHANE (Hg.), From Minor to Major: The Minor Arts and Their Status in Medieval Art History, Papers of a Symposium at Princeton, 3/17 & 18, Princeton, S. 66–81.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2013), Haus und Herrschaft in den ‚Leges Palatinae‘ und in anderen Bildzeugnissen des 14. Jahrhunderts, in: Gisela DROSSBACH, Gottfried KERSCHER (Hg.), Utilidad y decoro. Zeremoniell und symbolische Kommunikation in den Leges Palatinae König Jakobs III. von Mallorca (1337) (Trierer Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften 6), Wiesbaden, S. 119–133.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2015), Die Bedeutung des Themenkreises „Haus“ in der profanen Wandmalerei des Spätmittelalters für die Genese der Genremalerei, in: Ulrike MÜNCH, Jürgen MÜLLER (Hg.), Peiraikos‘ Erben. Die Genese der Genremalerei bis 1550 (Trierer Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften 14), Wiesbaden, S. 267-295, Farbtaf. 17–21.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2015), Bilder für wirt, wirtin und gast. Studien zur profanen Wandmalerei 1200–1500 (im Druck, Deutscher Verein für Kunstwissenschaft).

 

Vorträge

  • Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck, Die Wandmalereien der Torre Abbaziale von San Zeno Maggiore in Verona: Eine Darstellung Friedrichs II. in monastischem Kontext, Vortrag im Rahmen der Tagung IMPERIALIS ECCLESIA. FRIEDRICH II. UND DIE SAKRALARCHITEKTUR ZWISCHEN ITALIEN UND DEUTSCHLAND, Bibliotheca Hertziana, Rom, 30. Juni–1. Juli 2016

 

Projektrelevante Publikationen der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

  • Trübenbach, Svenja: Spätmittelalterliche Wandmalereien in Treis-Karden, Stiftsgasse 1. Zur Ikonographie der Küchenszenen, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 42 (2015), 59–78.

 

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