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Institutsgeschichte

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Fotos: Jean-Luc Ikelle-Matiba / Kunsthistorisches Institut

Die ersten kunstgeschichtlichen Vorlesungen an der 1818 gegründeten Bonner Universität hielt niemand Geringerer als August Wilhelm Schlegel (1767–1845), wenn auch eher beiläufig im weitgespannten Rahmen seiner kulturgeschichtlich universalen Lehrtätigkeit. An seiner Seite stand der Naturforscher, Kunstsammler und Künstler Joseph Wilhelm Eduard d'Alton (1772–1840), der bis in die dreißiger Jahre neben naturkundlichen auch zahlreiche archäologische und kunsthistorische Vorlesungen anbot. 1823 wurde ihm offiziell das "Lehrfach für Ästhetik [...], soweit es sich auf die bildenden Künste bezieht, ferner der Kunstgeschichte und der Theorie der Baukunst" übertragen. 1827 erfolgte dann die Ernennung zum "ordentlichen Professor für Kunstgeschichte", doch war es für eine institutionelle Kontinuität des damals noch in den Kinderschuhen steckenden Faches in Bonn wie vielerorts in Deutschland noch zu früh.

In den vierziger Jahren las der evangelische Theologe Gottfried Kinkel (1815–1882), seit 1846 außerordentlicher Professor für die "Fächer der neueren Kunst, Literatur und Kulturgeschichte" auch über kunstgeschichtliche Themen. Ihm hatte sich der junge Jacob Burckhardt während seines 1841 in Bonn verbrachten Sommersemesters freundschaftlich angeschlossen; fünf Jahre später, als Burckhardt anstellungslos in Berlin lebte, empfing er von Kinkel den (bis heute) utopischen Trost: "Kunst- und Kulturhistoriker werden in ein paar Jahren hoffentlich reissend abgehen"... In Bonn freilich setzte Kinkels aktive Beteiligung an der 48er Revolution der Fortführung jeder kunsthistorischen Lehrtätigkeit vorerst ein Ende.

1852 habilitierte sich mit Anton Springer (1825–1891) der erste Fach-Kunsthistoriker an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Bis zu seinem Wechsel nach Straßburg 1872 vertrat Springer, seit 1860 als ordentlicher Professor, das nun in Abgrenzung zur Klassischen Archäologie "Neuere Kunstgeschichte" genannte Fach. Um die Ausbildung einer streng wissenschaftlichen, historisch-kritischen Methodik seiner noch immer jungen Disziplin bemüht, etablierte er Kunstgeschichte als Universitätsfach dauerhaft in Bonn. Das Bonner Institut – wenn auch unter Springer noch kläglich ausgestattet – ist damit eines der ältesten kunstgeschichtlichen Universitätsinstitute in Deutschland. Springers Nachfolger wurde 1872 Carl Justi (1832–1912), der anders als sein Vorgänger zwar kein begeisternder Lehrer war, aber mit den während seiner Bonner Zeit verfaßten, berühmten Monographien über Velazquez (1888) und Michelangelo (1900/09) noch heute gelesen wird. Mit Justi begann der Aufbau eines eigentlichen Seminarapparates, d.h. der Bibliothek und Abbildungssammlung. Diese enthielt zunächst noch keine Photographien, sondern man arbeitete mit Kupferstichen, weswegen sich etwa eine (natürlich noch unbezahlt tätige) studentische Hilfskraft wie Aby Warburg, der 1886–89 in Bonn studierte, als "Seminar-kupferstichcabinetsordnergehilfe" deklarieren konnte. Unter Justi, der selten mehr als fünf Studenten hatte, habilitierten sich der nachmalige Michelangelo-Forscher Henry Thode (1857–1920) und Paul Clemen (1866–1947), der zunächst Provinzialkonservator der Denkmalpflege im Rheinland und 1902 auch Nachfolger Justis in Bonn wurde.

Bibliothek altDamit begann die dreiundreißigjährige Ära Clemen, in der das Institut wissenschaftlich und institutionell auch in der Region zu einer zentralen Instanz aufstieg. Clemen, der sich als Forscher v.a. der mittelalterlichen Malerei der Rheinlande widmete, baute die Bibliothek (sie hatte bei Justis Emeritierung hundert Bände gezählt) und die Photothek umfassend aus; der von ihm gegründete Förderverein trägt heute wie damals zum Bibliotheksetat in einem Maße bei, das die Bonner mit weit über 100.000 Bänden zur größten unter den kunsthistorischen Institutsbibliotheken in Deutschland werden ließ.

Paul Clemen Museum Schäden1944

Der wertvolle Altbestand nahm im Krieg glücklicherweise keinen Schaden, anders als die umfängliche, durch Clemen zu Lehrzwecken zusammengetragene und museal aufgestellte Abgußsammlung von Bildwerken des Mittelalters und der Renaissance, die durch Bombardement und Kriegsfolgen leider beträchtlich dezimiert wurde.

Neben Clemen lehrte zunächst als Privatdozent und von 1925 bis 1928 als außerordentlicher Professor Wilhelm Worringer (1881–1965), der mit seiner Dissertation "Abstraktion und Einfühlung" (1907) ein für den Expressionismus außerordentlich fruchtbares Buch geschrieben hatte. Clemens Nachfolger wurde 1935 Alfred Stange (1894–1968), ein Spezialist für deutsche Kunst des Spätmittelalters und der Renaissance; er war überzeugter Nationalsozialist und wurde nach seiner Suspendierung bei Kriegsende 1949 vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

Der Neubeginn nach dem Krieg wurde Heinrich Lützeler (1902–1988) und Herbert von Einem (1905–1983) anvertraut. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Institut stark: byzantinische Kunstgeschichte, flämische und niederländische Malerei, italienische Kunst und Architektur werden seitdem durch eigene Professuren vertreten; mittelalterliche Architektur und die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts als weitere Schwerpunkte sowie nicht zuletzt die enge Anbindung des Nachbarfaches Christliche Archäologie gewährleisten ein Spektrum, wie es nur wenige Universitäten in Deutschland vorzuweisen haben. Neben und nach v. Einem und Lützeler lehrten in Bonn die Professoren Günter Bandmann (1917–1975), Tilmann Buddensieg (1928–2013), Christoph Luitpold Frommel, Horst Hallensleben (1928–1998), Reiner Haussherr, Wolfgang Liebenwein, Justus Müller-Hofstede (1929–2015), Werner Oechslin, Barbara Schellewald, Gunter Schweikhart (1939–1997), Herbert Siebenhüner (1908–1996), Andreas Tönnesmann (1953–2014) und Eduard Trier (1920–2009).

Seit 1913 befindet sich das Institut im ehemaligen buen-retiro-Flügel der kurfürstlichen Residenz, dem südwestlichen der beiden von Robert de Cotte 1715 entworfenen Erweiterungsbauten des Schlosses.

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  • Mehr zur wechselvollen Geschichte und zu den wichtigsten Stationen in der Entwicklung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn erfahren Sie durch dieses Video im YouTube-Kanal von uni-bonn.tv.
    Anlässlich der Feierlichkeiten zum 150jährigen Gründungsjubiläum stellten diese Herr Prof. Dr. Georg Satzinger und Herr Prof. Dr. Roland Kanz 2010 eindrücklich vor.
  • Paul Clemen, Max Ernst und die Bonner Kunstgeschichte, 2014.

 

Foto rechts: Jean-Luc Ikelle-Matiba / Kunsthistorisches Institut

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