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Schausammlung

Die ursprüngliche Sammlung von Gipsabgüssen

Wie der Ausbau von Bibliothek und Photothek ging auch die Einrichtung der Gipsabguss-Sammlung von Paul Clemen (1866–1947) aus, der das Kunsthistorische Institut in den 33 Jahren seines Wirkens maßgeblich prägte. Schon während seiner Tätigkeit als Provinzialkonservator hatte Clemen den Aufbau einer kunsthistorischen Abguss-Sammlung geplant und nach seinem Amtsantritt am Kunsthistorischen Institut 1902 systematisch betrieben. 1913 konnte er die "Skulpturenhalle" eröffnen, die sich in dem glasgedeckten Binnenhof befand. Bis 1936 baute Clemen die Sammlung stetig aus, sein Nachfolger Alfred Stange setzte das Werk fort.

Paul Clemen Museum Halle vor 1944

In den 42 Jahren zwischen 1902 und 1944 kamen gut 600 Exponate zusammen. Sechs (vermeintliche) Originalskulpturen der italienischen Renaissance, Leihgaben des Kaiser-Friedrich-Museums Berlin, ergänzten den Bestand.

 

Das zeitgenössische Foto zeigt den Blick von der Italienabteilung zur Eingangswand an der Hofgartenseite. Dort befanden sich die Abgüsse mittelalterlicher Skulptur und Bauplastik aus Frankreich und Deutschland.

 

Die Mitte der insgesamt sechsjochigen Oberlichthalle galt der spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Skulptur in Deutschland und Frankreich bis zu Rodin. Die beiden stadtseitigen Joche nahmen die italienischen Bildwerke des späten Mittelalters und der Renaissance auf, deren Zentrum seit 1921 Michelangelos Moses (an der Schmalseite) bildete.

Kriegsschäden

Paul Clemen Museum Plan vor 1944_klein

Im Unterschied zur Institutsbibliothek, die im September 1941 in einem Keller der Universität geschützt untergebracht wurde, hat man die Gipsabgüsse während des Zweiten Weltkrieges nicht ausgelagert. So wurde die Skulpturenhalle im Oktober 1944 bei einem Bombenangriff stark in Mitleidenschaft gezogen, danach der Bestand durch Witterung und Diebstahl weiter dezimiert.

Erhaltung und Erweiterung der Sammlung

Es ist das Verdienst Heijo Kleins, die eingelagerten Restbestände wiederbelebt zu haben: 1987 begann er ein mehrsemestriges Arbeitsvorhaben mit Studierenden der Kunstgeschichte, das die wissenschaftliche Aufarbeitung der verbliebenen 230 Stücke und die angemessene Aufstellung der besser erhaltenen Abgüsse zum Ziel hatte. Bestandsaufnahme und Inventarisation fanden 1989 Abschluss in der der Ausstellung "Ein-Blick in die Abguß-Sammlung des Kunsthistorischen Instituts". Ein Jahr später wurden eröffnete das Stadtmuseum Siegburg mit der Schau "Meisterwerke mittelalterlicher Skulptur im Abguß", darunter Stücke aus unserem Bestand, die hierfür restauriert werden konnten. Zum 175. Jubiläum der 1818 gegründeten Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität eröffnete Heijo Klein 1993 die Dauerausstellung 50 ausgewählter Abgüsse im Foyer am Regina-Pacis-Weg 1.

Mit der Berufung von Harald Wolter-von dem Knesebeck tat sich 2008 eine neue Zukunftsperspektive auf. Ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend, sollen die Abgüsse wieder verstärkt in der Lehre zum Einsatz kommen. Aus seinen Berufungsmitteln konnten maßangefertigte Konsolen und Sockel finanziert werden, auf denen bislang deponierte Stücke nach und nach Aufstellung fanden. Auch Neuankäufe wurden getätigt, die beispielsweise die Abteilung der Elfenbeine stark erweiterten. Seit Frühjahr 2010 war eine Gruppe engagierter Studierender mit der Bearbeitung befasst, so dass die Sammlung im Frühjahr 2013 als Paul-Clemen-Museum mit der mittelalterlichen Abteilung wiedereröffnet werden konnte.

Eineinhalb Jahre später wurde im Juni 2015 auch die im Krieg besonders schwer getroffene italienische bzw. neuzeitliche Sektion mit alten, teilweise aufwendig restaurierten und vielen neu erworbenen Stücken eröffnet.

PCM_ItalienischeAbteilungZahlreiche Sponsorinnen und Sponsoren leisteten tatkräftige Unterstützung beim Ankauf neuer Werke und bei der Restaurierung von Teilen des Altbestandes. Die Bundeskunsthalle überließ vier wertvolle Abgüsse von großen Statuen Michelangelos. Der italienische Fotokünstler Massimo Listri schenkte dem Museum eines seiner Großfotos der Medici-Kapelle. Für ihren großen, ehrenamtlichen Einsatz erhielt die sechsköpfige Gruppe von Studierenden, die gemeinsam mit Georg Satzinger die Neueinrichtung im Nordflügel des Instituts bewerkstelligte und durch didaktisches Material erschlossen hat, 2016 den Initiativpreis der Bonner Universitätsgesellschaft.

Foto: Jean-Luc Ikelle-Matiba / Kunsthistorisches Institut

 

Wir sind zuversichtlich, dass unsere inzwischen wieder auf 400 Stück angewachsene Abgusssammlung nach mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildwerken zum 200. Jubiläum der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität 2018 in vollem Umfang zugänglich sein wird, wenn auch nicht wie einstmals in einer einzigen Halle, sondern auf mehrere Standorte im und am Institut verteilt. Es sind freilich noch beträchtliche Restaurierungs-Anstrengungen nötig, um zahlreiche wertvolle, derzeit notgedrungen deponierte Stücke präsentabel und für die Lehre nutzbar zu machen sowie manche durch den Krieg geschlagene Lücke durch Neuankäufe zu schließen. Dabei hoffen wir auf weitere Unterstützung durch bewährte sowie neue Gönnerinnen und Gönner.

 

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Untere drei Fotos: Jean-Luc Ikelle-Matiba / Kunsthistorisches Institut

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