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01.01.2016

Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei

Teilprojekt des SFB 1167 "Macht und Herrschaft – Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive"

  • Leitung und Beteiligte: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck, Steffen Kremer M.A., Svenja Trübenbach M.A.
  • Mittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • Laufzeit: seit 2016

 

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Projektbeschreibung

Mittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Dauer: seit 2016

Das kunsthistorische Teilprojekt wendet sich der Thematisierung von Herrschaft in der profanen Wandmalerei des Mittelalters zu. Es untersucht hierzu Festausmalungen, die auf einen reisenden König bezogen waren bzw. den Zeitgenossen als beziehbar plausibel gemacht werden konnten, sowie die (von einer konkreten Reise unabhängigen) Darstellungen des Herrschers als Gast. Der Fokus liegt daher nicht auf einer vermeintlichen „Hofpropaganda“, sondern auf den eigentlichen Besitzern und Nutzern der ausgemalten Räume, in denen man in der Regel die Auftraggeber der Malereien sehen darf. | Projekthomepage

 

Projektleitung:

Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck | E-Mail | Tel.: 0228 73-4781

 

Mitarbeiter*innen:

Steffen Kremer M.A. | E-Mail | Tel.: 0228 73-5989

Svenja Trübenbach M.A. | E-Mail | Tel.: 0228 73-5989

 

Wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte:
Johanna Beutner B.A.
Laura Cohen M.A.
Stefan Einhaus M.A.

 

The King as Guest – House and Herrschaft in Secular Wall Painting

The sub-project is devoted to the subject of Herrschaft in medieval secular wall painting. It examines festive scenes that are related to a travelling monarch or could plausibly be construed as such, as well as the representations of the lord as guest (independent of any actual journey). The focus is thus, not on a supposed 'court propaganda', but rather on the actual lords and users of the rooms depicted, who can generally be identified with the commissioners of the paintings. | Project website

 

Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei

Das Teilprojekt des seit dem 1. Juli begonnenen Bonner SFB 1167 „Macht und Herrschaft - Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive“ (vgl. Projekthomepage) wendet sich der Thematisierung von Herrschaft in der profanen Wandmalerei des Mittelalters zu. Es untersucht hierzu Festausmalungen, die auf einen reisenden König bezogen waren bzw. den Zeitgenossen als beziehbar plausibel gemacht werden konnten, sowie die (von einer konkreten Reise unabhängigen) Darstellungen des Herrschers als Gast. Der Fokus liegt daher nicht auf einer vermeintlichen „Hofpropaganda“, wie sie von der Forschung gerade im Umfeld großer Herrscherpersönlichkeiten oft nahezu automatisch unterstellt wurde, sondern auf den eigentlichen Besitzern und Nutzern der ausgemalten Räume, in denen man in der Regel die Auftraggeber der Malereien sehen darf. Es sind daher vorrangig ihre Strategien, Anliegen sowie Wünsche und auch Zwänge im Bereich der Repräsentation ihres Status und ihres Selbstverständnisses, deren Niederschlag in den Bildern zu betrachten sein wird. Die Stoßrichtung der Bilderzyklen konnte darin bestehen, Normen idealer Herrschaft an den König heranzutragen bzw. sich für den König und sein Umfeld zu positionieren. Mehr noch dienten die Wandmalereien aber dazu, sich auf Dauer mithilfe der im spezifischen Rahmen der Gastfreundschaft inszenierten Königsnähe, der besonderen Stellung des eigenen Hauses, dem Wissen um seine rechte Führung und Ordnung sowie um Ordnung selbst zu profilieren und im eigenen Sozialgefüge zu verorten. Das Teilprojekt fokussiert hiermit auf die Modulierung von Vorstellungen von Herrschaft bei ihrer Adaption in den Bereich der Monumentalmalerei, die auf den Herrscher und sein Umfeld, vor allem aber auf die Anderen im eigenen Sozialgefüge zielt, wofür insbesondere Gastfreundschaft und Fest den Rahmen boten.

Auch weil sich diese Malereien zumeist in reich ausgestatteten und dementsprechend für eine Nutzung im Fest und der Gastfreundschaft hin ausgerichteten Räumen befinden, sind sie in die – im deutschsprachigen Bereich als „Hausehre“ bezeichnete – Gastfreundschaft des jeweiligen Hauses eingebettet. Diese vorbildliche Gastfreundschaft erweist nun den Besitzer des ausgemalten Raums selbst als herrschaftsfähig, denn nur ein gut geführtes Haus kann gastfreundlich sein, was für alle Eliten bis hin zum König gilt. Und es sind gerade die mit heraldischen und ikonischen Darstellungen des Herrschers (und fallweise auch der Herrscherin) in den Ausmalungen markierten Festräume eines Hauses, sei es auf einer Burg oder in einem oberschichtigen Stadthaus, die diese „Hausehre“ repräsentierten und mit einer Vielzahl anderer Themenbereiche, vom höfischen Epos bis hin zum Kalenderzyklus, räumlich wie inhaltlich verbinden. Diese Vorstellungen von „Hausehre“ wurden auch auf kirchliche Institutionen (Gästehäuser, Pfarrhäuser) und städtische Gemeinschaftshäuser (Rathäuser und ihre Festsäle oder auch eigenständige Tanzhäuser) übertragen. Dementsprechend kann in dem Teilprojekt ein breites Spektrum der führenden Individuen und Gruppierungen der mittelalterlichen Gesellschaft auf seine mit der Gastfreundschaft und dem Haus verbundenen Vorstellungen von idealer Herrschaft, herrschaftsbezogenem Ordnungswissen und eigener Teilhabe am Herrschaftsnetzwerk befragt werden. Die idealisierte Darstellung des Herrschers und seines Hofes wird zusammen mit der hausbezogenen Thematik der Wandmalereien zur Projektionsfläche der Auftraggeber und damit durchlässig für ihren Selbstentwurf innerhalb ihrer herrschaftsbezogenen Ordnungsvorstellungen. Diese Selbstverordnung wiederum ist mit den im geplanten SFB erarbeiteten Vorstellungsmodellen zu Macht und Herrschaft und ihrem Wandel abzugleichen.

Insgesamt wird mit den profanen Wandmalereien dieser Art somit die Teilhabe an und Modulierung von Vorstellungen von Macht und Herrschaft im Netzwerk zwischen Zentrum und Peripherie in einer singulären Quellengruppe eigener Qualität, Entwicklung (etwa im Bereich der Heraldik oder der Erzählräume) und Anschaulichkeit in einer Fülle verschiedener Formen auch an Orten innerhalb der Gesellschaft greifbar, an denen sie sonst durch andere Quellen kaum zu fassen ist. Das Teilprojekt wird die hierfür relevanten Objekte erstmals zusammenführen, aufbereiten und in den Diskurs über Macht und Herrschaft im geplanten SFB einspeisen, um im Gegenzug die dort erarbeiteten Vorstellungen und Modelle, Grundstrukturen und Begrifflichkeiten der Phänomene Macht und Herrschaft für die eigene Analyse einzusetzen.

 

Projektrelevante Publikationen des Teilprojektleiters

  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2005), Zahm und wild: Thematische Spannungsverhältnisse und ihre (topographische) Organisation: Die Wandmalereien des Jagdzimmers von Schloß Moos in Eppan, in: Eckart Conrad LUTZ, Johanna THALI, René WETZEL (Hg.), Literatur und Wandmalerei II. Konventionalität und Konversation, Tübingen, S. 479–519, Abb. 107–117, Farbtaf. XIV–XV.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2007), "Hûsêre" and the "Topography of Contrasts" in 15th Century Mural Paintings from Tyrol and Trentino, in: Luís Urbano AFONSO, Vítor SERRÃO (Hg.), Out of the Stream: Studies in Medieval and Renaissance Mural Painting, Cambridge, S. 22–41.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2008), Bilder für Friedrich II.? Die Wandmalerei der Torre Abbaziale von San Zeno in Verona, in: Knut GÖRICH, Jan KEUPP, Theo BROEKMANN (Hg.), Herrschaftsräume, Herrschaftspraxis und Kommunikation zur Zeit Kaiser Friedrichs II., München, S. 207–227.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2009), Der König als Gast. Formen der Vergegenwärtigung und Indienstnahme königlicher Präsenz in der profanen Wandmalerei der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in: Stefanie RÜTHER (Hg.), Integration und Konkurrenz. Symbolische Kommunikation in der spätmittelalterlichen Stadt, Münster, S. 111–129, Abb. 1–13.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2012), Secular Arts – Its Order and Importance, in: Colum HOURIHANE (Hg.), From Minor to Major: The Minor Arts and Their Status in Medieval Art History, Papers of a Symposium at Princeton, 3/17 & 18, Princeton, S. 66–81.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2013), Haus und Herrschaft in den ‚Leges Palatinae‘ und in anderen Bildzeugnissen des 14. Jahrhunderts, in: Gisela DROSSBACH, Gottfried KERSCHER (Hg.), Utilidad y decoro. Zeremoniell und symbolische Kommunikation in den Leges Palatinae König Jakobs III. von Mallorca (1337) (Trierer Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften 6), Wiesbaden, S. 119–133.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2015), Die Bedeutung des Themenkreises „Haus“ in der profanen Wandmalerei des Spätmittelalters für die Genese der Genremalerei, in: Ulrike MÜNCH, Jürgen MÜLLER (Hg.), Peiraikos‘ Erben. Die Genese der Genremalerei bis 1550 (Trierer Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften 14), Wiesbaden, S. 267-295, Farbtaf. 17–21.
  • Harald WOLTER-VON DEM KNESEBECK (2015), Bilder für wirt, wirtin und gast. Studien zur profanen Wandmalerei 1200–1500 (im Druck, Deutscher Verein für Kunstwissenschaft).

 

Vorträge

  • Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck, Die Wandmalereien der Torre Abbaziale von San Zeno Maggiore in Verona: Eine Darstellung Friedrichs II. in monastischem Kontext, Vortrag im Rahmen der Tagung IMPERIALIS ECCLESIA. FRIEDRICH II. UND DIE SAKRALARCHITEKTUR ZWISCHEN ITALIEN UND DEUTSCHLAND, Bibliotheca Hertziana, Rom, 30. Juni–1. Juli 2016

 

Projektrelevante Publikationen der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

  • Trübenbach, Svenja: Spätmittelalterliche Wandmalereien in Treis-Karden, Stiftsgasse 1. Zur Ikonographie der Küchenszenen, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 42 (2015), 59–78.

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01.01.2012

Streitstrategien bildender Künstler in der Neuzeit

 

  • Projektleitung: Dr. Doris Lehmann
  • Betreuung: Prof. Dr. Roland Kanz
  • Mittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • Laufzeit: 2012–2015

 

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Streit als Motor kreativer Prozesse formte »moderne« Aspekte der Selbstbestimmung und Neuprofilierung des Künstlers in der Neuzeit. Seit der Renaissance wurden in Auseinandersetzungen um das bessere Kunstwerk zentrale Konzepte und Traditionen ausgeprägt, um nicht allein über und mit, sondern um auch im Kunstwerk zu streiten. Wie jedoch Statusfragen durch non-verbalen Wettstreit verhandelt wurden, wie auf unterschiedlichen Ebenen künstlerisch geführte Auseinandersetzungen funktionierten und ob hierfür Kategorien wie »guter« und »schlechter« Streit relevant waren gilt es erstmalig systematisch zu erforschen und auszuwerten. Aufzuzeigen ist, wie Formen des Künstlerstreits und dessen ambivalentes Verhältnis zu gewalttätigen und justiziablen Handlungen in der Neuzeit wahrgenommen wurden, wie Streitbilder ihr bildrhetorisches und -polemisches Potential entfalteten und damit auch das Künstlerselbstbild und dessen Rezeption formten. Mit einer begrifflich geschärften Systematik werden alternative Lesarten erprobt und Diskrepanzen zwischen bestehenden Definitionen und der hiervon unabhängigen Einzelforschung ausgelotet. Untersucht werden Streitstrategien bildender Künstler der Neuzeit in Wort, Tat und Bild, diese werden ikonographisch und künstlersozialgeschichtlich analysiert und rezeptionsästhetisch kontextualisiert. Der werkrelevante Streit wird damit neu sicht- undlesbar gemacht und damit das kreative Potential der bildenden Kunst erfolgreich Streit zu führen.

 

Dr. Doris H. Lehmann, Liste der gehaltenen DFG-Projekt-Vorträge

  • »Verlebendigte Antike. Giambolognas Fiorenza Anadyomene« (Tagung »Leibhafte Kunst – Statuen und kulturelle Identität, Staatliche Kunstsammlung Dresden, 7.–8. März 2013)
  • »Mit den Waffen der Künstler. Künstlerstreit im Venedig der frühen Neuzeit/Con le armi dell’arte. Rivalità tra artisti nella Venezia della prima epoca moderna« (Tagung »Streit und Spiel. Venezianische Streit- und Konfliktkulturen von der frühen Neuzeit bis heute/Conflitti culturali a Venezia dalla prima età moderna ad oggi«, Venedig, Deutsches Studienzentrum Venedig, Università Ca’ Foscari, Gallerie dell’ Accademia Venezia, 16.–18. Mai 2013)
  • »Streit im Bild: Venedig als Ort frühneuzeitlichen Künstlerstreits« (Werkstattgespräch, Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte – TAK / SHARC, 27.11.2013)
  • »Zeichen ewiger Feindschaft: Giovanni Battista Piranesis Bildpolemik« (5. Arbeitstreffen des DFG-Netzwerks »Gelehrte Polemik«, Hamburg, Warburghaus, 30.9.–1.10.2014)
  • »Eselsohren und Hundekacke. Methodische Überlegungen zu frühneuzeitlicher Bildpolemik« (Vortragsreihe »Ästhetik – Geschichte – Diskurs. Aktuelle Ansätze, Methoden und Fragestellungen in der Kunstwissenschaft«, Düsseldorf, Heinrich Heine Universität, Kunsthistorisches Institut, 18.6.2015)

 

Dr. Doris H. Lehmann, Liste der publizierten DFG-Projektergebnisse

  • Dispute tra Artisti a Venezia: La »Calunnia di Apelle« di Girolamo Mocetto, in: Conflitti culturali a Venezia dalla prima età moderna ad oggi, hrsg. von Rotraud von Kulessa, Sabine Meine, Daria Perocco, Florenz 2014, S. 169–177
  • Tribolos Erbe: Giambolognas »Fiorenza Anadyomene«, in: Leibhafte Kunst: Statuen und kulturelle Identität (Morphomata, Bd. 24), hrsg. von Dietrich Boschung, Christiane Vorster, München 2015, S. 179–200, Taf. 6–9
  • Grenzüberschreitende Polemik. Johann Joachim Winckelmann und seine Kontrahenten, in: Gelehrte Polemik. Intellektuelle Konfliktverschärfungen um 1800, hrsg. von Carlos Spoerhase und Kai Bremer, Hamburg 2016 (im Druck)

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01.03.2015

BMBF-Projekt "Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130–1250" zum Hildesheimer Dom und St. Michael

Verbundprojekt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Ausschreibung „Sprache der Objekte“

Teilprojekt 2: Tradition und Innovation in der Monumentalmalerei des Domes vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildverständnis und Bildgebrauch bei den Hildesheimer Klerikereliten des Hochmittelalters
  • Projektleitung: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck
  • Bearbeitung: Dr. Esther-Luisa Schuster
  • Mittelgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Laufzeit: März 2015 bis Februar 2018
Teilprojekt 3: Tradition und Innovation in der Monumentalmalerei von St. Michael in Hildesheim vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildverständnis und Bildgebrauch bei den Hildesheimer Klerikereliten des Hochmittelalters
  • Projektleitung & -bearbeitung: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck
  • Mittelgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Laufzeit: März 2015 bis Februar 2018

 

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Der Hildesheimer Dom und die Klosterkirche St. Michael sind herausragende Zentren mittelalterlicher Kultur und Geschichte. Mit ihrer vorhandenen oder erschließbaren Ausstattung zählen sie zu den wenigen erhaltenen exemplarischen Gesamtkunstwerken des 10.–13. Jahrhunderts überhaupt, die die Aufmerksamkeit der kunsthistorischen wie der historischen Fachwelt schon seit langem auf sich gezogen haben. Es sind hochrangige Kunstwerke aller Gattungen überliefert. Das Milieu, das die Entstehung dieser Stücke begünstigte, war geprägt von geistlichen und weltlichen Eliten des Bistums und der Stadt. Diese Eliten sind in einer großen Zahl unterschiedlicher Schriftquellen greifbar. Auf der Grundlage dieser ungewöhnlichen, in der Breite der dinglichen wie schriftlichen Überlieferung des 12. und 13. Jahrhunderts einmaligen Kombination von verschiedensten Quellenarten versucht das Verbundvorhaben mehrerer Fachdisziplinen auf einer breiten, multidisziplinären Basis unsere Kenntnisse über die Auftraggeber und Konzeptoren der Hildesheimer Kunstwerke auf eine neue Grundlage zu stellen. Hierbei werden nicht nur Kenntnisse der benachbarten geisteswissenschaftlichen Disziplinen einbezogen, sondern auch aus den Naturwissenschaften. Resultate des Forschungsprojektes sollen inhaltlich und methodisch für ähnliche Überlieferungssituationen mittelalterlicher Kunst und Kultur anschlussfähig sein.

 

Beteiligte Institutionen:
Dommuseum Hildesheim (2 Teilprojekte)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (2 Teilprojekte)
Universität Potsdam (2 Teilprojekte)
Universität Osnabrück (3 Teilprojekte)
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (2 Teilprojekte)

 

Teilprojekte am KHI:

Teilprojekt 2: Tradition und Innovation in der Monumentalmalerei des Domes vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildverständnis und Bildgebrauch bei den Hildesheimer Klerikereliten des Hochmittelalters

Projektleitung: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck

Bearbeitung: Dr. Esther-Luisa Schuster

Das Teilprojekt untersucht erstmals alle Zeugnisse der monumentalen Innenraumgestaltung des Domes. Sowohl die ehemalige Ausmalung der Westempore sowie eines Tympanons der Seitenschiffemporen als auch die inkrustierten Fußböden in Vierung und Apsis überliefern ungewöhnlich dicht das durch die frühscholastische Theologie angeregte Ordnungsverständnis der Hildesheimer Domherren. Komplex geordnete Ikonographien und Bildstrukturen verdeutlichen das allgemeine Interesse der Eliten am Visuellen einerseits und den Versuch, ihre theologische Welt in Bildern (an) zu ordnen andererseits. Die Objekte werden im Teilprojekt somit in ihrer medialen Bedeutung als „Ordnungshelfer“ analysiert. Nicht nur ihre endgültige Erscheinung ist von Interesse, sondern auch die Ideen und Strukturen, die zu ihrer Anordnung geführt haben. Hierbei werden auch die Ergebnisse der historischen Projekte zu Domschule und den städtischen Eliten mit einbezogen. Eine sehr enge Verzahnung ergibt sich mit Teilprojekt 3 zur Bilderdecke von St. Michael, die als Fortführung der im Dom erprobten Strukturen und Prinzipien betrachtet werden kann.

Dr. Esther-Luisa Schuster | E-Mail

 

Studentische Hilfskraft:
Johanna Beutner B.A.

 

Teilprojekt 3: Tradition und Innovation in der Monumentalmalerei von St. Michael in Hildesheim vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildverständnis und Bildgebrauch bei den Hildesheimer Klerikereliten des Hochmittelalters

Projektleitung und -bearbeitung: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck

Das Teilprojekt untersucht die berühmte Holzdecke von St. Michael, mit der die hochmittelalterlichen Arbeiten, die nach der Heiligsprechung des hier begrabenen Stifters, Bischof Bernward (amtierte 993-1022), nötig wurden, im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts zu einem ersten Ende kamen. Sie trägt die größte Darstellung der Wurzel Jesse, einem neuen, erst im Hochmittelalter auftretenden Thema, das die gesamte Heilsgeschichte in einem vielteiligen Schemabild zusammenfasst. Sie wird vor dem Hintergrund des sich im 12. und 13. Jahrhundert rasch entwickelnden Bildverständnis bzw. der Bildpraxis der Hildesheimer Klerikereliten untersucht, bei dem diese Schemabilder aus den Schulbetrieb auch in den liturgischen Raum wechseln konnten, der im konkreten Fall von St. Michael stark mit in die Analyse der Holzdecke mit einbezogen wird. Hintergrund ist der mit einem Interesse am Visuellen einhergehende, ordnende scholastische Zugriff auf theologisch geformte Wissensbestände, die in großen Bildsummen wie der Holzdecke arrangiert wurden. Eine sehr enge Verzahnung ergibt sich mit Teilprojekt 2 zur Monumentalmalerei im Dom, da hier im 12. Jahrhundert Strukturen und Prinzipien sowie in der Kapelle im Westbau auch die monumentale Darstellung der Wurzel Jesse als Deckengestaltung vorbereitet wurden.

Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck | E-Mail

 

Weitere Informationen auf der Projekthomepage.

 

Termine und Veranstaltungen

  • September 2017, Sektion auf dem IV. Forum Kunst des Mittelalters in Berlin und Brandenburg | Konferenz-Website
  • 19.-21.5.2017, Tagung im ZI München
  • März 2017, Panel 23 auf dem Symposium des Mediävistenverbandes | Konferenz-Website
  • Februar 2017, Kolloquium in Hildesheim zum Welandus-Reliquiar
  • 2.-3.12.2016, Studientagung „(An)Ordnung und Schematisierung in der Kunst des Mittelalters“, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn | Konferenz-Website, Programm & Plakat
  • 22.10.2016, Studientag „Typen mittelalterlicher Reliquiare zwischen Innovation und Tradition“, Christian-Albrechts-Universität Kiel | Plakat
  • 19.9.2016, Sektion Kunstgeschichte „Objekte und Objekthaftigkeit in der Hildesheimer Kunst des 12. und 13. Jahrhunderts“, Generalversammlung der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften, Hildesheim | Programm
  • 17.-18.6.2016, Kolloquium „Drachenlandung – Ein neu erworbenes Aquamanile des 12. Jahrhunderts im Dommuseum Hildesheim“, Dommuseum Hildesheim | Programm

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30.04.2018

Übertragungen. Funktionen und Wahrnehmungen der visuellen Exegesen des Bildsystems der Doppelkirche von Schwarzrheindorf

Übertragungen. Funktionen und Wahrnehmungen der visuellen Exegesen des Bildsystems der Doppelkirche von Schwarzrheindorf

 

 

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Wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte:

Miriam Guth B.A.

Nils Schulz

 

Das Projekt untersucht die von dem Kölner Erzbischof Arnold von Wied auf dem Areal seiner Familienburg errichtete hochmittelalterliche Doppelkapelle St. Maria und Clemens im Bonner Stadtteil Schwarzrheindorf. Besonderes Augenmerk liegt auf dem einzigartigen Bildprogramm aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, einem Bilderzyklus zu den alttestamentlichen Visionen des Propheten Ezechiel, das in seiner innovativen Ikonographie, medialen und bildargumentativen Anlage, konzeptionellen und kompositorischen Struktur im zeit- und geistesgeschichtlichen Kontext sowie in seinem architektonischen Rahmen und dessen Rezeptionsvorgaben analysiert wird.

Eine erneute Beschäftigung mit den exzeptionellen Wandmalereien ist geboten, da die letzte, 1999 abgeschlossene Restaurierung den mittelalterlichen Originalbestand der im 19. Jahrhundert unter mehrfachen Tünchen wiederentdeckten und teils fehlerhaft ergänzten Ausmalung klären konnte. Die überraschende Erkenntnis, dass deutlich mehr als erwartet dem Ursprungsbefund zugerechnet werden kann, stellt die Untersuchung auf eine völlig neue Basis.

Während die Architektur – „eine der geistreichsten, am weisesten überlegten, am konsequentesten durchdachten architektonischen Schöpfungen des ganzen 12. Jahrhunderts“ (Paul Clemen)  – bereits vielfach zum Gegenstand der Forschung gemacht wurde, haben die Wandmalereien seitens der Kunstgeschichte noch nicht die dem Anspruch des Baus gebührende Aufmerksamkeit erfahren. Zentrale Fragen bis hin zur Klärung einiger Ikonographien sind bis heute offen. Auch das genaue Verhältnis des Bildprogramms zu dem als Inspirationsquelle vermuteten Ezechielkommentar des Rupert von Deutz ist nicht ausreichend geklärt. Darüber hinaus wird oft pauschal auf die Komplexität der Bedeutungsbezüge und Übertragungsebenen im Bildprogramm verwiesen, ohne, dass dies inhaltlich ausführlich dargelegt und die dies anzeigenden formalen Aspekte benannt werden oder untersucht wird, inwiefern diese Übertragungsebenen auch die doppelstöckige Architektur bzw. den Bau in seiner gesamten Anlage und Konzeption miteinbeziehen. Ziel des Projekts ist daher eine umfassende Analyse der visuellen Strategien und der Wahrnehmung der Bilder im Raumzusammenhang. Inwiefern regen die konkrete Gestaltung der Bilder und ihre räumliche Disposition die visuelle Exegese an? Welche bildlichen Mittel werden angewendet, um den Betrachter auf die komplexen Bedeutungsbezüge der Bilder untereinander und die vielfachen Bedeutungsdimensionen und Übertragungsebenen des Dargestellten hinzuweisen? Welches Vorwissen, welche Fähigkeiten sind dabei gefordert, wer sind also die Adressaten? Welches Ziel verfolgt der Auftraggeber damit und welche Funktionen erfüllen die Bilder in ihrem konkreten zeithistorischen, geistesgeschichtlichen und sakralräumlich-performativen liturgischen Kontext? 

Ausgangsthese des Projekts ist eine postulierte Verwandtschaft des Bildprogramms zu den Wissenspraktiken der Scholastik und dem Gebrauch diagrammatischer Bildformen. Zentrale Anliegen sind demnach die Analysen des Bildvokabulars, der Bildmittel und der Bildordnung sowie ihre potentielle Rezeption vor dem Hintergrund des Bilddenkens im Kontext des „diagrammatic turn“ des 12. Jahrhunderts. Die Erforschung der Bildstrategien innerhalb einer Wissenskultur wie der Scholastik erscheint angesichts der aktuell zunehmenden Bedeutung von visualisierten Informationen in heutigen Medien der Wissensvermittlung relevant.

Mit der Verknüpfung von Fragen zur Architektur, zum Bildsystem und deren Zusammenhang mit diagrammatischen Bildmedien, Exegesepraktiken und Wissenskulturen der Zeit ist die Ausrichtung des Projekts grundsätzlich interdisziplinär und berührt nicht nur die Kunstgeschichte, sondern auch Bereiche der Bauforschung, Denkmalpflege, Geschichte, Theologie sowie Medien- und Liturgiewissenschaft. Das Projekt verfolgt neuere Ansätze der kunsthistorischen Forschung zu Bild-Text-Verhältnissen, Medien- und Raumtheorien, Rezeptionsprozessen und Performanz sowie Metareferenzialitäten, die es mit klassischen ikonographisch-ikonologischen, ikonischen und narratologischen sowie kontextorientierten Fragestellungen kombiniert.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Doppelkirche von Schwarzrheindorf ist gute Bonner Forschungstradition, die es fortzuschreiben gilt. Nicht nur die räumliche Nähe, auch die Ausrichtung der Wissenschaftler*innen des Bonner KHI und der Universität insgesamt bieten ideale Bedingungen für das Projekt: Der Projektmentor Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck befasste sich im Rahmen des BMBF-Projekts „Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130–1250“ mit sehr ähnlichen Fragestellungen am Gegenstand der Bildkultur Hildesheims des 12. und 13. Jahrhunderts. Steffen Kremer M.A. und Svenja Trübenbach M.A. arbeiten im Rahmen des Teilprojekts „Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei“ des Bonner SFB 1167 „Macht und Herrschaft - Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive“ unter Leitung von Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck zu Fragen der Auftraggeberschaft und performativen Einbindung von Wandmalerei. Die Restauratorin Julia Hurlbeck M.A. arbeitet im Rahmen des DFG-Projekts „Das Haus in der Stadt vor 1300“ bei Dr.-Ing. Barbara Perlich-Nitz, TU Berlin und Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck zur Materialität hochmittelalterlicher Wandmalerei und Dr. Francesca Soffientino als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung am Kunsthistorischen Institut (Mentor Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck) zu den Staufern und der Kunst in Italien. An der Universität Bonn sind zudem mit den historischen und theologischen Fächern, insbesondere auch mit der Arbeitsstelle Inschriften und mit der Liturgiewissenschaft, exzellente Ansprechpartner*innen zentraler Nachbardisziplinen vertreten. Es ist deshalb ein großes Privileg, sich den Schwarzrheindorfer Wandmalereien in diesem Projekt widmen zu dürfen und dabei den Untersuchungsgegenstand quasi „vor der Haustür“ zu haben.

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31.07.2018

Kunsthistoriker aus dem östlichen Europa als transregionale Akteure deutscher "Grenzlandforschung" von der ausgehenden Kaiserzeit bis in die Adenauer-Ära

Kunsthistoriker aus dem östlichen Europa als transregionale Akteure deutscher "Grenzlandforschung" von der ausgehenden Kaiserzeit bis in die Adenauer-Ära

 

 

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Das Forschungsprojekt „Kunsthistoriker aus dem östlichen Europa als transregionale Akteure deutscher ‚Grenzlandforschung‘ von der ausgehenden Kaiserzeit bis in die Adenauer-Ära“ widmet sich personalen und inhaltlichen Kontinuitäten in der völkisch motivierten deutschen „Grenzlandforschung“ sowie dem Stellenwert künstlerischer Überlieferung in derselben.

Ziel der „Grenzlandforschung“ war der Nachweis deutscher Kulturleistungen und ihrer Strahlkraft in den Grenzräumen des deutschen Sprachgebiets, womit sich wechselnde politische Zielsetzungen und Ansprüche verbanden. Den Ausgangspunkt des Projekts bildet die Beobachtung, dass viele Träger des zur Zeit des Nationalsozialismus besonders gepflegten Forschungsfeldes selbst aus den multiethnischen Grenzräumen des östlichen Europa stammten. Diese Akteure waren jeweils in gleich mehreren Regionen als Kunsthistoriker, Denkmalpfleger, Museologen und Beteiligte am organisierten Kunstraub aktiv und blieben dem Forschungsfeld trotz sich wandelnder Rahmenbedingungen oftmals bis in die Nachkriegszeit treu. Dies wirft die Frage nach der Rolle der Deutschen aus dem östlichen Europa als Gegenstand und / oder Motor völkischer Ostpolitik und bundesdeutscher Osteuropapolitik auf, der im Rahmen des Projekts nachgegangen werden soll. Zugleich versteht sich das Vorhaben als ein Beitrag zur Wahrnehmungsgeschichte der künstlerischen Überlieferung in Grenzregionen nationaler Wissenschaftssysteme.

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31.05.2018

"Staatsmalerei" auf dem westdeutschen Kunstmarkt: Willi Sittes Körperbilder im Kontext zeitgenössischer Kunstdiskurse

 

 

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Der Galerist Michael Hertz in Bremen feierte sein 50-jähriges Bestehen im Jahr 1982 mit einer Ausstellung des damaligen DDR-Künstlers Willi Sitte (1921-2013). Die Kunst der DDR wurde seit den 1970er Jahren im westdeutschen Kulturbetrieb immer präsenter. Hertz war neben der Galerie Brusberg einer der ersten, die ostdeutsche Künstler ausstellte und in der BRD verkaufte. Das Geschäft schien gut zu laufen. Das verdeutlicht nicht nur die Wahl des Künstlers zu Hertz‘ Jubiläumsausstellung, sondern auch zeitgenössische Kritik in der westdeutschen Presse an den wirtschaftlichen Interessen des Staatlichen Kunsthandels der DDR. Neben Ausstellungen in staatlich finanzierten oder unterstützten Institutionen (documenta, Kunstvereine), spielte anscheinend auch der Kunstmarkt eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Wahrnehmung von DDR-Künstlern in der BRD.

Die Rezeption der Kunstwerke erfolgte jedoch fast ausschließlich auf formalästhetischer Ebene. Zumeist wurden die Werke der DDR-Künstler in Kontrast zu abstrakten Ausdrucksformen des westlichen Kulturbetriebes gestellt oder an ihnen der Begriff des „Sozialistischen Realismus“ abgehandelt. Dabei sind Analogien beispielsweise im Werk Sittes mit Arbeiten von Künstlern aus anderen gesellschaftspolitischen Systemen augenscheinlich. Denn obwohl die Abstraktion synonym für eine freie und demokratische Kunst in der BRD gebraucht wurde, verebbte das Bedürfnis nach einer Thematisierung des neuen Menschen(bildes) nicht. Die starke Betonung des menschlichen Körpers ist also nicht nur im Œuvre Sittes offenkundig, sondern findet beispielsweise Parallelen im Werk Lucian Freuds (1922-2011) oder in den Performances des Wiener Aktionismus. Die nackten Leiber treten hier nicht nur in klassisch 'bürgerlichen' Bildthemen, wie Mythologie und Akt, oder in Zusammenhang mit Darstellungen von Sexualität ins Bildfeld. Vielmehr begegnen sie vor allem in der Auseinandersetzung mit Krieg, Geschichte und Unterdrückung.

Neben der Untersuchung der Rolle des Kunstmarktes bei der Verbreitung von DDR-Kunst in der BRD, sollen in dem Projekt Korrelationen der westlichen und östlichen Kunstsysteme aufgezeigt werden. Andererseits gilt es zu untersuchen, welche bis heute wirkenden Mechanismen die kunstwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Werken Sittes in der BRD damals bestimmten und auf eine Stilanalyse beschränkten, so dass regions- und systemübergreifende Inhalte nicht erkannt wurden.

Zugeordnete Kategorie(n):
01.06.2018

Das Haus in der Stadt vor 1300

Bonner Teilprojekt des Forscherverbunds zusammen mit PD Dr.-Ing. Barbara Perlich, TU Berlin

  • Leitung und Beteiligte in Bonn: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck, Julia Hurlbeck M.A.; Anna Katharina Nachtsheim M.A. M.Ed. (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft / Abteilung für Germanistische Mediävistik, Tel.: 0228 73-1923, Raum 4.001 / Adenauerallee 33; betreut von Prof. Dr. Elke Brüggen als Projektpartnerin in Bonn)
  • Mittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • Laufzeit: 2018-2022

Weitere Informationen folgen.

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30.06.2018

Die Kunstförderung der Staufer in Italien. Werke, geistiger Hintergrund und Hofkultur

Die Kunstförderung der Staufer in Italien. Werke, geistiger Hintergrund und Hofkultur

 

  • Leitung und Beteiligte: Dr. Francesca Soffientino als Post-Doc-Stipendiatin (Mentor Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck)
  • Mittelgeber: Alexander-von-Humboldt-Stiftung
  • Laufzeit: 2018-2020
  • Kontakt: Dr. Francesca Soffientino, Etscheidhof, Raum 0.003, Tel.: 0228 73-6837

 

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Was bedeutete es für ein Mitglied des staufischen Hauses die Kunst in Italien zu unterstützen? Welche Medien und Vorbilder waren für die Herrscher die wirksameren, um bestimmte auf sie und ihre Herrschaft bezogene Werte und Vorstellungen zu übermitteln? Unter welchen Bedingungen manifestierte sich die Hofkultur und welche Rolle hatte sie bei der Genese von Kunstwerken? Diese sind nur einige der zahlreichen Fragen, die nach den neuesten Studien auch die Staufer und ihre Zeit betreffen. Durch die Anwendung vergleichender Untersuchungsmethoden, die verschiedene Gebiete betrachten, existieren heute mehr Informationen über die kulturelle und soziale Umgebung, die auf die Entstehung der Werke starken Einfluss gehabt zu haben scheint, oder über die interkulturellen Beziehungen zwischen der staufischen Kunst und der byzantinischen und islamischen Welt des Nahen Ostens. Diese positiven und organischen Entwicklungen der Forschung betrafen die deutsche Seite der Studien, die sich seit langen mit diesen Problemen beschäftigt. Auch wenn dieser dynamische und moderne Annäherungsversuch dem italienischen Teil des Reiches selbst gilt, blieb er mit den überwältigen Namen Kaiser Friedrichs II. (1194 – 1250) verbunden und infolgedessen haben die ihm gewidmeten Studien ihn als eine außerordentliche und einzigartige Figur erscheinen lassen.

Das Ziel dieses Projektes ist es hingegen, einen neuen und fachübergreifenden Blick auf die Kunstförderung der ganzen Dynastie (1122 - 1268) in Italien als Gesamtphänomen zu werfen, d.h. die erhaltenen und nicht mehr erhaltenen Kunstobjekte, die von den Kaisern und Königen gefördert wurden, werden im Vergleich zu ihrer Zeit und mit besonderer Beachtung ihres Herstellungsraumes, dem mittleren Mittelmeer, erneut betrachtet. Inwieweit der Besitz von Kunstwerken für die Zeitgenossen als Zeichen der Macht eines Herrschers wahrgenommen wurde, wird tatsächlich durch die Schriftquellen betont, die im italienischen, deutschen und arabischen Gebieten entstanden. Die Erwähnung von bestimmten Materialien, Techniken oder Herkunftsorten – z.B. Gebäude, Schmuck, gemusterte und verzierte Stoffe, Kameen oder orientalische Teppiche und Juwelen – bezeichnet oder schildert immer wieder, wie die Staufer ihre Herrschaft verwirklichten und unterstrichen.

Die Behandlung der von den Staufen benutzten und in den Quellen erwähnten “Massenmedien” könnte hier anschließen, umfassten sie doch gleichsam offizielle Herrscherbildnisse auf Münzen oder Siegeln. Hier ergibt sich ein Bezug auf das Teilprojekt von Prof. Dr. Stieldorf am Bonner Sonderforschungsbereich 1167 zu “Macht und Herrschaft. Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive”. Hinzu treten in einem jeweils eigenen Verhältnis zu diesen die plastischen oder malerischen Darstellungen. Sie werden bisweilen in den Chroniken erwähnt und verkörperten mehr das Ideal der Macht als eine realistische Wiedergabe, konnten aber auch aus der Perspektive des Beherrschten gestaltet sein. Letzteres ist ein Aspekt, der ganz besonders eine Verbindung zum Teilprojekt zur profanen Wandmalerei des Mittelalters (Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei) von Prof. Dr. Wolter-von dem Knesebeck in dem genannten Bonner SFB 1167 darstellt. Das versammelte Material wird dann im Vergleich zu den europäischen und arabischen Reichtümern betrachtet – z.B. am päpstlichen und am byzantinischen Hof, in englischen und französischen Reiche, in Ägypten –, um die Eigentümlichkeiten, Erwartungen und Ansprüche der staufischen Kunst ins Licht zu stellen.

Auf der anderen Seite ermöglicht uns eine derartige Analyse der Schriftquellen, in den sozialen Kontext des Hofes hineinzublicken. Besonders wurde in den deutschen Texten erwähnt, dass am Hof Musik, Gedicht und Gesang sehr geschätzt und gefördert wurden. Aber wie erfahren auch, wie jener kulturelle Raum dem Herrscher Anlass gab, sich mit den Hofeliten zu treffen. Deren Einfluss auf die kaiserliche oder königliche Orientierung im Bezug auf eine bestimmte Ikonographie oder auf die Wahl von Materialien, Techniken und Künstlern wird in diesem Projekt untersucht. Hierbei wird eine an den Untersuchungen von Julius von Schlosser orientierte und umfassende Schilderung der staufischen Hofkunst angestrebt, damit die besonderen und eigenständigen Merkmale dieser Manifestationen vollständig verstanden werden können.

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01.01.2011

Modell Michelangelo: Michelangelos Wirkung in der europäischen Kunst

 

  • Leitung: Prof. Dr. Georg Satzinger
  • Mittelgeber: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
  • Laufzeit: 2011–2015

 

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Das gemeinsam mit Sebastian Schütze (Universität Wien) durchgeführte Projekt diente der wissenschaftlichen Vorbereitung und Begleitung einer 2015 gezeigten Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Bonn). Es nahm das 450. Todesjahr zum Anlass, dessen immense Wirkung auf die europäische Kunst auszuloten, indem es die Auseinandersetzung wichtiger Künstler bis heute mit zentralen Themen von Michelangelos individueller Kunstsprache verfolgte. Neben dem Ausstellungskatalog wird ein eigener Essayband die Beiträge einer wissenschaftlichen Tagung zum Thema dokumentieren.

Zugeordnete Kategorie(n):
01.01.2011

Die Wormser Bilderbäckerei. Meister – Werkstatt – Wirkung einer exemplarischen Kunsttöpferei des 15. Jahrhunderts

 

  • Leitung: Dr. Gerald Grimm
  • Betreuung: Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck
  • Mittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • Laufzeit: 2011–2014
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