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Die Kunstförderung der Staufer in Italien. Werke, geistiger Hintergrund und Hofkultur

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Die Kunstförderung der Staufer in Italien. Werke, geistiger Hintergrund und Hofkultur

Messina, Regionalmuseum, Seemonstrum, Detail aus einem Balken des ehemaligen Messinaer Domes, um 1260 (Foto: Francesca Soffientino).

  • Leitung und Beteiligte: Dr. Francesca Soffientino als Post-Doc-Stipendiatin (Mentor Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck)
  • Mittelgeber: Alexander-von-Humboldt-Stiftung
  • Laufzeit: 2018-2020
  • Kontakt: Dr. Francesca Soffientino, Etscheidhof, Raum 0.003, Tel.: 0228 73-6837

 

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Was bedeutete es für ein Mitglied des staufischen Hauses die Kunst in Italien zu unterstützen? Welche Medien und Vorbilder waren für die Herrscher die wirksameren, um bestimmte auf sie und ihre Herrschaft bezogene Werte und Vorstellungen zu übermitteln? Unter welchen Bedingungen manifestierte sich die Hofkultur und welche Rolle hatte sie bei der Genese von Kunstwerken? Diese sind nur einige der zahlreichen Fragen, die nach den neuesten Studien auch die Staufer und ihre Zeit betreffen. Durch die Anwendung vergleichender Untersuchungsmethoden, die verschiedene Gebiete betrachten, existieren heute mehr Informationen über die kulturelle und soziale Umgebung, die auf die Entstehung der Werke starken Einfluss gehabt zu haben scheint, oder über die interkulturellen Beziehungen zwischen der staufischen Kunst und der byzantinischen und islamischen Welt des Nahen Ostens. Diese positiven und organischen Entwicklungen der Forschung betrafen die deutsche Seite der Studien, die sich seit langen mit diesen Problemen beschäftigt. Auch wenn dieser dynamische und moderne Annäherungsversuch dem italienischen Teil des Reiches selbst gilt, blieb er mit den überwältigen Namen Kaiser Friedrichs II. (1194 – 1250) verbunden und infolgedessen haben die ihm gewidmeten Studien ihn als eine außerordentliche und einzigartige Figur erscheinen lassen.

Das Ziel dieses Projektes ist es hingegen, einen neuen und fachübergreifenden Blick auf die Kunstförderung der ganzen Dynastie (1122 - 1268) in Italien als Gesamtphänomen zu werfen, d.h. die erhaltenen und nicht mehr erhaltenen Kunstobjekte, die von den Kaisern und Königen gefördert wurden, werden im Vergleich zu ihrer Zeit und mit besonderer Beachtung ihres Herstellungsraumes, dem mittleren Mittelmeer, erneut betrachtet. Inwieweit der Besitz von Kunstwerken für die Zeitgenossen als Zeichen der Macht eines Herrschers wahrgenommen wurde, wird tatsächlich durch die Schriftquellen betont, die im italienischen, deutschen und arabischen Gebieten entstanden. Die Erwähnung von bestimmten Materialien, Techniken oder Herkunftsorten – z.B. Gebäude, Schmuck, gemusterte und verzierte Stoffe, Kameen oder orientalische Teppiche und Juwelen – bezeichnet oder schildert immer wieder, wie die Staufer ihre Herrschaft verwirklichten und unterstrichen.

Die Behandlung der von den Staufen benutzten und in den Quellen erwähnten “Massenmedien” könnte hier anschließen, umfassten sie doch gleichsam offizielle Herrscherbildnisse auf Münzen oder Siegeln. Hier ergibt sich ein Bezug auf das Teilprojekt von Prof. Dr. Stieldorf am Bonner Sonderforschungsbereich 1167 zu “Macht und Herrschaft. Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive”. Hinzu treten in einem jeweils eigenen Verhältnis zu diesen die plastischen oder malerischen Darstellungen. Sie werden bisweilen in den Chroniken erwähnt und verkörperten mehr das Ideal der Macht als eine realistische Wiedergabe, konnten aber auch aus der Perspektive des Beherrschten gestaltet sein. Letzteres ist ein Aspekt, der ganz besonders eine Verbindung zum Teilprojekt zur profanen Wandmalerei des Mittelalters (Der König als Gast – Haus und Herrschaft in der profanen Wandmalerei) von Prof. Dr. Wolter-von dem Knesebeck in dem genannten Bonner SFB 1167 darstellt. Das versammelte Material wird dann im Vergleich zu den europäischen und arabischen Reichtümern betrachtet – z.B. am päpstlichen und am byzantinischen Hof, in englischen und französischen Reiche, in Ägypten –, um die Eigentümlichkeiten, Erwartungen und Ansprüche der staufischen Kunst ins Licht zu stellen.

Auf der anderen Seite ermöglicht uns eine derartige Analyse der Schriftquellen, in den sozialen Kontext des Hofes hineinzublicken. Besonders wurde in den deutschen Texten erwähnt, dass am Hof Musik, Gedicht und Gesang sehr geschätzt und gefördert wurden. Aber wie erfahren auch, wie jener kulturelle Raum dem Herrscher Anlass gab, sich mit den Hofeliten zu treffen. Deren Einfluss auf die kaiserliche oder königliche Orientierung im Bezug auf eine bestimmte Ikonographie oder auf die Wahl von Materialien, Techniken und Künstlern wird in diesem Projekt untersucht. Hierbei wird eine an den Untersuchungen von Julius von Schlosser orientierte und umfassende Schilderung der staufischen Hofkunst angestrebt, damit die besonderen und eigenständigen Merkmale dieser Manifestationen vollständig verstanden werden können.

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