Unser neues Forschungsprojekt behandelt die Art Looting Investigation Unit Reports – besser bekannt als die sogenannte Red Flag Names-Liste. Diese wurde von der Art Looting Investigation Unit (ALIU) des amerikanischen Office of Strategic Services zwischen 1945 und 1946 zusammengestellt. Die Liste versammelt Namen von Personen und Körperschaften, die im Zusammenhang mit dem NS-Kunsthandel aufgetaucht sind. Ziel der ALIU war es, die Akteure, Netzwerke und Strukturen des NS-Handels mit Kunst und Kulturgut zu identifizieren und Informationen zu sammeln. Grundlage bildeten Verhöre und Befragungen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden systematisch zusammengetragen und in Form der Red Flag Names-Liste dokumentiert.
In der Provenienzforschung hat sich die Liste als Werkzeug fest etabliert und dient als wichtiger Hinweisgeber bei der Überprüfung von Verdachtsfällen. Obwohl die ALIU-Reports eine hohe Relevanz für die Provenienzforschung haben, existiert bisher keine quellenkritische Untersuchung der Liste. Genau hier setzt unser Projekt an: Im Mittelpunkt steht die Entstehung der Liste: wie sie zustande gekommen ist, welche Rollen und Funktionen, die aufgelisteten Personen hatten und wie die Liste künftig gezielt für die Provenienzforschung genutzt werden kann. Dabei von besonderem Interesse sind die Persönlichkeiten, die in der bisherigen Forschung vernachlässigt wurden.