Reproduktion des Gemäldes Die Apfelschälerin nach Gerard ter Borch
Urheber:in der Fotografie: unbekannt
Entstehungszeitpunkt: zwischen 1927 und 1946
Technische Angaben: Reproduktion, 15,1 x 12,1 cm (Bildmaß), 32,8 x 23,5 cm Blattmaß
Provenienz: unbekannt
Inventarnummer: 080176
Kommentar:
Immer wieder kommt es vor, dass sich in der Kunstgeschichte Zuschreibungen von Gemälden zu Künstler*innen in Frage gestellt und verändert werden. So ist es auch bei dem vorliegenden Fotoobjekt, das sich in der Sammlung des Kunsthistorischen Instituts befindet. Woher der Karton kommt und warum er sich in der Sammlung des Kunsthistorischen Instituts befindet, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Doch es kommt schnell die Vermutung auf, dass die Abbildung einer Publikation entnommen ist. Doch welcher?
Der Karton zeigt die Reproduktion eines Gemäldes ergänzt durch die Maßangaben und die Angabe der Kunsthandlung „Knoedler, London“. Als Urheber des Gemäldes ist auf dem Karton mit Tinte der niederländische Maler Gerard ter Borch (1617–1681) vermerkt. Doch bei genauerem Hinsehen bemerkt man weitere handschriftliche Anmerkungen, die darauf verweisen, dass es sich um eine Kopie nach einem anderen Gemälde des Malers handelt. Auch der längere Absatz unterhalb der Abbildung betont, wie deutlich sich erkennen ließe, dass es sich bei dem Bild um eine Kopie handele.
Das Original des Gemäldes von etwa 1660 ist unter dem Titel Die Apfelschälerin seit 1780 Teil der Sammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien.[1] Wirft man einen Blick in das Werkverzeichnis zu Gerard ter Borch, das S. J. Gudlaugsson in den 1950er Jahren zusammengestellt hat, wird schnell deutlich, dass es bei den Gemälden von Gerard ter Borch häufiger vorkommt, dass es mehrere Varianten des gleichen Motivs zu geben scheint.[2] So sind im Werkverzeichnis allein für das Bild Die Apfelschälerin 16 Varianten vermerkt.[3]
Innerhalb der 16 Varianten findet sich eine Beschreibung, die mit unserem Werk übereinstimmt, von der offenbar zwei unterschiedliche Fassungen existieren. In den Provenienzangaben der einen Version findet sich ein Hinweis auf die Kunsthandlung J. Herbrand in Paris. Cornelis Hofstede de Groot identifizierte das Gemälde für diese Pariser Galerie 1927 als Kopie.[4] Von hier aus gelangte das Gemälde in die Kunsthandlung Knoedler, von der es an eine New Yorker Privatsammlung verkauft wurde. Auch bei der anderen Version findet sich die Provenienz Kunsthandlung Knoedler wieder.[5]
Die Geschäftsunterlagen der Kunsthandlung Knoedler enthalten jedoch lediglich Karteikarten zu einer der Gemäldeversionen, die unter dem Titel Woman Peeling an Apple geführt wird.[6] Laut diesen Karteikarten war das Gemälde 1942 von Robert Frank eingeliefert worden und bis 1951 im Bestand der Galerie.[7] Von dort wurde es an unterschiedliche Ausstellungen verliehen und dann schließlich an das Grand Rapids Art Museum in den USA verkauft, wo es sich auch heute noch befindet.[8]
Für die Beschäftigung mit dem Karton als Fotoobjekt ist letztlich unerheblich, welche Version des Gemäldes darauf abgebildet ist. Auch wenn sich durch die Annotationen auf dem Karton vielfältige Rechercheansätze ergeben haben, kann am Ende nicht endgültig geklärt werden, woher die Reproduktion des Gemäldes kommt und wer die Variante des Gemäldes überhaupt angefertigt hat. Möglicherweise entstammt die Abbildung einem Katalog der Galerie J. Herbrand, Paris. Der Absatz mit der Einschätzung der Kopie könnte dann entweder eine Abschrift des Katalogtextes oder die Übersetzung dessen sein. Der Wert dieses Objekts liegt am Ende weniger in der Abbildung selbst, sondern in den handschriftlichen Anmerkungen, die verdeutlichen, wie sich kunsthistorische Forschung im Laufe der Zeit wandelt und wie diese Entwicklungen auch anhand von Reproduktionen sichtbar werden können.
Leah Waleschkowski
Anmerkungen:
[1] Vgl. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie: Die Apfelschälerin, Inv.-Nr. 588.
[2] Vgl. z. B. Gudlaugsson 1960, 183f.
[3] Vgl. ebd., 170-173.
[4] Vgl. ebd. 171.
[5] Vgl. ebd.
[6] Die Geschäftsunterlagen der Kunsthandlung Knoedler & Co. Befinden sich heute im Getty Research Institute.
[7] M. Knoedler & Co.: Painting Stock Book 8, A1-A2680, Getty Research Institute Digital Collection, URL: https://rosettaapp.getty.edu/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4156594 (Abruf: 23.06.2025); M. Knoedler & Co.: Inventory Cards, Sold Alphabetical, Artists Smibert-Titian, 1907-1973, No. 2426 (Item-No. 0246), URL: https://rosettaapp.getty.edu/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE3610958 (Abruf: 23.06.2025).
[8] E-Mail-Auskunft der Kuratorin Jennifer Wcisel (Grand Rapids Art Museum) vom 4. Juni 2025.
Literatur & Internetquellen:
Gudlaugsson 1960
S.J.Gudlaugsson: Gerard ter Borch. Katalog der Gemälde Gerard ter Borchs sowie biographisches Material, Bd. 2, Den Haag 1960
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie: Die Apfelschälerin, Inv.-Nr. 588, URL: https://www.khm.at/kunstwerke/apfelschaelerin-285 [Abruf: 23.06.2025]
M. Knoedler & Co.: Inventory Cards, Sold Alphabetical, Artists Smibert-Titian, 1907-1973, No. 2426 (Item-No. 0246), URL: https://rosettaapp.getty.edu/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE3610958 [Abruf: 23.06.2025]
M. Knoedler & Co.: Painting Stock Book 8, A1-A2680, Getty Research Institute Digital Collection, URL: https://rosettaapp.getty.edu/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=FL4156594 [Abruf: 23.06.2025]