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© Emmy-Noether-Gruppe
Abbildung aus Philippe Pinels "Traité médico-philosophique sur l'aliénation mentale, ou la manie" (1801)
Abbildung aus Philippe Pinels "Traité médico-philosophique sur l'aliénation mentale, ou la manie" (1801) © Wellcome Library, London

Emmy-Noether-Gruppe „Körperform und Körpernorm. Nicht-/Behinderung in der westeuropäischen Kunst und visuellen Kultur des langen 19. Jahrhunderts“

Was macht einen dargestellten Körper zu einem behinderten Körper und was würde ihn dagegen als nicht-behindert charakterisieren? Diese grundlegende Frage verfolgt die Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe "Körperform und Körpernorm" anhand der Prämisse, dass kulturelle Repräsentationen von Behinderung Teil eines historisch determinierten Diskurses sind. Ausgewählte Fallbeispiele werden durch einen repräsentationskritischen und medienspezifischen Ansatz in intersektionaler Perspektive analysiert. Durch das multiperspektivische Verfahren werden (1) die Bewertung von Nicht-/Behinderung in visuellen Repräsentationen dekonstruiert, (2) unmarkierte Norm- und Idealvorstellungen von Körperlichkeit und ihr Stellenwert in Kunstschaffen und -theorie aufgedeckt und (3) theoretische Vorannahmen bezüglich normabweichender Körperlichkeit innerhalb kunsthistorischer Fachdiskurse einer Revision unterzogen. Damit leistet die Noether-Gruppe einen innovativen Beitrag für die Kunstgeschichte sowie die interdisziplinären Cultural Dis/ability Studies und profiliert so das noch junge Forschungsfeld der Dis/ability Art History.

Team

Avatar Eckhoff-Heindl

Dr. Nina Eckhoff-Heindl

Projektleitung

Informationen rund um das Projekt

Die Emmy-Noether-Gruppe "Körperform und Körpernorm" untersucht Darstellungen von Nicht-/Behinderung anhand der Prämisse, dass kulturelle Repräsentationen von Behinderung Teil eines historisch determinierten Diskurses sind. Die Einstufung eines Körpers als behindert ist demnach nur innerhalb gesellschaftlicher Systeme zu denken, da letztere darüber entscheiden, was als Behinderung und damit als Abweichung von der Norm gilt. Dieses ‚Behindert-machen‘ hat zur Folge, dass die angelegte Konstruktion von Behinderung auch diejenigen Körper reguliert, die als nicht-behindert und damit als ‚normal‘ gelten. Dementsprechend ist das Verständnis von Behinderung untrennbar mitdemjenigen von Nicht-Behinderung verflochten. In Darstellungen von Behinderung kommt dieser enge Bezug in besonderer Weise zum Tragen, da die Körper einer Markierung bedürfen, um sie als abweichend wahrnehmbar zu machen, und in eben diesen Darstellungsstrategien treten die ansonsten unsichtbaren Körpernormen in Erscheinung.

Bei Körpernormen handelt es sich um historisch determinierte Ordnungssysteme, die aus Annahmen über die Gestalt und die Funktionsweisen menschlicher Körper bestehen und mit moralisch-ethischen Bewertungen einhergehen. Vor diesem Hintergrund analysiert die Noether-Gruppe Repräsentationen von Behinderung und Nicht-Behinderung in der westeuropäischen Kunst und visuellen Kultur des langen 19. Jahrhunderts mit Fokus auf Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Das Projekt setzt damit bei einer Zeit tiefgreifender Transformationen an, die von Normen der Funktionalität, Standardisierung und Ökonomisierung von Körpern geprägt war und deren Ausprägungen bis heute in Vorstellungen von ‚normaler‘, idealer oder normabweichender Körperlichkeit fortbestehen. Hierfür erfolgt erstmals eine gattungsübergreifende Erschließung der Darstellungen von körperlicher und kognitiver Behinderung der Kunst und visuellen Kultur mit Beginn der französischen Revolution bis zu den frühen Jahren der Weimarer Republik (1789–1923).

Workshop Wie machtkritisch ist die Kunstwissenschaft? Intersektionale Befragung kunsthistorischer Methoden, mit Anita Hosseini, Fabian Röderer und Frederike Eyhoff, 26-27/09/2025, Universität für angewandte Kunst Wien

Konferenz Praktiken der Hervorbringung von Behinderung in Kunst und Literatur, mit Daniela Kuschel, 4-6/06/2025, Fritz-Thyssen-Stiftung Köln

Workshop Translating Embodiment, mit Aminata Diouf, Anna Krämer, Sandra Kurfürst und Julia Willms, 6-7/07/2023, Universität zu Köln

Online-Veranstaltungsreihe Ästhetiken der Zugänglichkeit. Barrierefreiheit in Kunst, Kultur und Forschung, SoSe 2023, Universität zu Köln. Videoaufzeichnungen [https://kunst.uni-koeln.de/blog/aesthetiken-der-zugaenglichkeit/]

„Körperform und Körpernorm. Dis/ability als Analysekategorie für die Kunst und visuelle Kultur des langen 19. Jahrhunderts“ | Bonner Kolloquium, 21/05/2026, Universität Bonn

„Dis/ability als Analysekategorie. Körpernorm in Kunst und Ästhetik des langen 19. Jahrhunderts“ | Vorlesung Cultural Disability Studies, 22/04/2026, Institut für Kulturwissenschaften, Universität Düsseldorf

„Intersektionalität am Beispiel von Freakshows und Repräsentationen Julia Pastranas“ | Ringvorlesung Mediengeschichte, 26/11/2024, Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln

„Making the invisible visible. Visual representations of madness from 19th century psychiatric contexts” | Tagung Disability History. New perspectives and interdisciplinary approaches, 6–8/11/2024, Universität Münster

„Intersektionale Perspektiven auf Freakshows des 19. Jahrhunderts“ | Ringvorlesung Mediengeschichte, 23/04/2024, Institut für Medienkultur und Theater, Universität zu Köln

„Encountering unmarked assumptions. How Disability Arts and Theory disclose body norms” | Symposium From Access to Acceptance: The Role of Disability in Art, 12–13/04/2023, University of Texas at El Paso, USA

“Inszenierungspraktiken in Freakshows des 19. Jahrhunderts. Julia Pastrana und die Veränderlichkeit von Körpernormen“ | 17. Tagung der Isa Lohmann-Siems Stiftung KörperZeiten. Narrative, Praktiken, Medien, 10–11/02/2023, Universität Hamburg

„Dis/Ability als kulturwissenschaftliche Perspektivierung der Medienanalyse“ | gemeinsam mit Véronique Sina, Gastvortrag bei der Kulturakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes, Weimar, 09/09/2019

“Exploiting, Degrading, and Repellent. Against a biased Interpretation of Contemporary Art about Disability” | Vortrag bei dem 28th Annual Meeting der Society for Disability Studies, Atlanta/Georgia, USA, 10–13/06/2015

„Vermessung und Normierung des Körpers. Körpernormen der Proportionslehre am Beispiel von Johann Gottfried Schadows „Polyclet“ (1834).“ In: Ordnungssysteme in Architektur und Kunst. Hrsg. von Eva von Engelberg und Stephanie Herold, Siegen: Universitätsverlag 2024, 48–55, Open Access [https://dspace.ub.uni-siegen.de/entities/publication/cef42db8-a3c8-4fce-a75e-9e0d8438b8a4]

„Julia Pastrana, Freakshows und die Zeitlichkeit von Körpernormen.“ In: KörperZeiten. Narrative, Praktiken, Medien. Hrsg. von Manuel Bolz, Fabian Röderer und Constanze Wallenstein. Berlin: Reimer 2024, 59–80

„Dis/ability Art, Art about Dis/ability.” In: Behinderung. Kulturwissenschaftliches Handbuch. Hrsg. von Susanne Hartwig. Stuttgart: J.B. Metzler 2020, 318–320. Open Access [https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-476-05738-9_57]

„Exploiting, Degrading, and Repellent. Against a biased Interpretation of Contemporary Art about Disability.“ In: Disability and Art History. Hrsg. von Elizabeth Howie und Ann Millett-Gallant. London/New York: Routledge 2017, 29–46.

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